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TIETZE-SYNDROM
(Chondrodynia costosternalis)

Der Begriff:

Alexander Tietze war Chirurg in Breslau und unter einem Synd rom versteht man ein stets mit etwa den gleichen Kran kheitszeichen einhergehendes Krankheitsbil d, meist unbekannter oder viel deutiger Ursache.

Das Tietze-Syndrom wird auc h als Mor bus Tietze, Chondropat h ia tube rosa oder Chondrodynia costosternalis bezeichnet.

Dem Tietze-Syndrom liegen Störu ngen im Bereich der oberen ster nokostalen Übergänge (= vom Brust bein zu den Rippen) zugrunde, hervorgerufen durch sync hondrosennahe (= nahe am Knorpelgelen k gelegene) Überlastungs- oder Er müdungs(mikro)brüche, nicht selten nach einer Thorakotom ie (= operative Eröffnung des B rustraumes).

In der Regel geben die Patien ten mit Tietze-Syndrom einseitige, unspez ifische Brust- und Brust beinschmerzen an, überwiegend lin ks, die bei Beschwerdezunah me auch in den linken Ar m ausstrahlen und dann Herzbesch werden vortäuschen können. In vielen Fällen bestan d bei Patienten mit einem Tietze-Syndrom deshal b in der Vorgeschichte schon häufiger der Ver dacht auf Herz infarkt. Bei rechtsseitiger Besch werdelokalisation kann es auch zu einer Schmerzausstrah lung in den rechten (Ober-) A rm kommen. Manche Patienten verspü ren auch eine Sch merzausstrahlung in die linke Halsse ite.
Vegetative Begleitersch einungen, wie beschleunigter Pul s und Hitzegefüh l, sind nicht selten und der Schmerzcharak ter ist oft brennend oder glü hend, also ganz im Sinne einer Sympathal gie (= Schmerzen, ausgehen d vom vegetativen Nerv ensystem) bzw. eines Quadrantensyndroms (= vege tative Schmerzen im Bereich eines Kör perviertels).
Beim Quadrantensynd rom folgt die Schmerzausbreitung nicht der seg mentaler Ordnung der Ner ven sondern mehr dem Verl auf eines größeren Blutgefäßes.
Nicht selten kl agen die Patienten auch über Schmerze im Brustbein, die in den gleichseitigen Hals bereich aufsteigen.

Bei der Untersuchung sind bei der Chondrodynia costosternalis schmerzseitige R ippenansätze am Brustbein deutlich d ruckschmerzhaft und erscheinen auf getrieben. Bei stär kerem Druck können häufig die vom Pat ient berichteten Besch werden im Brusttraum ausg elöst werden.

Die Therapie des Tietze-Syndrom`s ist einfach und überwiegend erfolgreich:
Bewährt hat sich die therapeutische Lokalan ästhesie (= Behandlung mit einem ör tlichen Betäubungsmittel) (z.B. Bu pivacain 0,5%) in Form von engmaschig wiederholten Infiltrat ionen (z. B. 2 mal täglich über 10 Tage) der sch merzhaften Rippenansätze am Brust bein (evtl. auch mit Kortikoidzusat z).
Zur Vermeidung einer folgensch weren Verletzung des Mediast inums (= Mittelfellrau m, unter dem Brustbein gelegen) empfiehlt es sich, die Kanü le (= Spri tzennadel) nicht senkrecht zur Hau t einzustechen, sondern stets in einem Win kel von ca. 45 Grad.
Wohltuend empfindet der (schlan ke) Patient auch das Auftragen einer anäs thesierenden (= betäubenden) Sal be (z.B. EMLA®) oder auch ASS in Äther gelöst. Auch kann eine Ion tophorese (= Einbringen eines Medikamen ts durch die Haut mit Hilfe eines elek trischen Stroms) mit z.B. Diclofenac hilfreich sein.
In hartnäckigen Fäl len mu ß die beschriebene therapeutische Lokal anästhesie konsequent 2 mal tägl ich (auch am Woche nende) durchgeführt werden, was i.d.R. allerdings nur unter stat ionären Bed ingungen durchführbar ist.
Als nächst höhere Th erapiestufe kommen wiederholte Stel latumblockaden (= das Ganglion stella tum ist eine Schal tstelle des unwillkürlichen Nervensystems im seitlichen Hals bereich) in Frage.
Vorübergehen d ist auch beim Tietze-Syndrom die Verord nung eines tri- oder tet razyklischen Antidepressivums (= Mittel zur Behand lung einer Depress ion) zur Schmerzdistanzierung sinn voll, ebenso (vorsichtige) gym nastische Übungsbehandlungen zur Verbesser ung der Thoraxmobilität (= Beweglichkei t des knöchernen Brust korbs).

Das Tietze-Syndrom wird nicht selten (fälsch licherweise) als Costoch ondritis bezeichnet. Bei der Costochond ritis handelt es sich um eine Entzündung des Knor pels an den sterno kostalen Übergängen (= Ü bergänge vom Brust bein zu den Rippen). Die Cos tochondritis kommt eher selten vor, sie tritt meist im Rah men einer systemischen (= den ganzen Kör per betreffenden) Erkran kung auf, so z.B. beim Morbus Rei ter (= reaktive entzündliche Systemer krankung vorwiegend bei jüngeren Männern mit Entzün dungen der Bin dehaut, Harnleiter und Gele nke).
Die Behandlung erfolg t wie beim Tietze-Syndrom.

Brustbeinsch merzen können auch vom Knoc hen selbst ausgehen, so z.B. nach Brustbeinprel lungen, -verletzungen oder auch nach einer Thora kotomie (= operative Eröf fnung des Brust raumes). Dabei handelt es sich i.d.R. um eine unspezif ische, aseptische (= nicht von Krank heitserreger verursachte) Knochen hautentzündung.
Sehr hilfreich ist auch in diesen Fäl len eine in kurzen Abständen wiederholte therapeut ische Lokal anästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmitte l) in Form von wiederholten, großzü gigen Infiltrationen des Brustbein bereiches, wobei aber der Knoc hen bzw. die Knoc henhaut selbst nicht tang iert werden darf, da dies zu zusätzlichen Sch merzreizen führt.

Daß örtl iche Betäubungsmittel auch en tzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich w issenschaftlich erwiesen. Wenn Sie meh r darüber erfahren wollen, so klic ken Sie hier.

Brustbeinsch merzen, die mehr h inter dem Brustbein em pfunden werden, weisen auf Er krankungen der Speiseröh re oder auch auf die koronare Herzkran kheit hin. Auch Sch merzen infolge eines Ma gengeschwürs können hinter das Bru stbein ausstrahlen.


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